Das Bier-Geschäft floriert nicht ganz nach Wunsch
Die Bierbrauereien der Region Basel scheinen sich mehr oder weniger gut durch den Sommer zu bringen. Unsere Umfrage erfolgte allerdings etwas zur Unzeit: Die meisten können oder wollen nicht verraten, wie das Geschäft wirklich läuft, weil bis Ende Jahr noch viel geschehen kann. Insbesondere können Ausfälle, die das zum Teil schlechte, zum Teil unbeständige Wetter verursachten, vielleicht noch wettgemacht werden. Zurückhaltung ist zu spüren, so richtig euphorisch ist niemand.
Die Braubude Basel meldet, dass es gut laufe. Der Einfluss des European Song Contest (ESC) oder der Womens Euro 2025 auf den Bierabsatz sei gering gewesen und habe sich höchstens auf einzelne Tage in der Bar der Brauerei ausgewirkt. «Sowohl der Umsatz mit der Gastronomie als auch der Eigenumsatz in der Birreria der Braubude dürften sich in etwa auf Vorjahresebene bewegen, allenfalls leicht darüber», sagt Michael Heim als Sprecher der Braubude.
Seit 2024 die neue Brauanlage in Betrieb genommen worden sei, habe man die Eigenproduktion erhöhen können. Teilweise ging das zulasten der Brauaufträge an befreundete Brauereien. Insgesamt dürfte der Absatz aber leicht über Vorjahr sein. Einen Trend, dass allgemein weniger Bier getrunken werde, spürt die Braubude nicht. Und zum Thema alkoholfreies Bier: «Die Brauerei stellt bislang kein alkoholfreies Bier selber her. In der eigenen Bar haben wir jedoch mehrere alkoholfreie Biere im Angebot (Stand derzeit: drei alkoholfreie Biere).»
Zu den Zukunftsaussichten sagt Heim: «Wir bekommen die Probleme der Brauereien durchaus mit, und beobachten da einen verschärften Verdrängungskampf». Als Mikrobrauerei mit eigenem Lokal sei die Braubude jedoch nur bedingt davon betroffen.
Von einem «sehr, sehr schleppenden Geschäftsgang» berichtet Luzius Bosshard von Unser Bier. Der ehemals langjährige Geschäftsführer wirkt heute als Markenbotschafter für die Brauerei. Nach einem schlechten Beginn habe sich das Geschäftsjahr mittlerweile normalisiert. Rückstände seien aber sehr schwierig zu kompensieren. Produktion und Absatz lägen überhaupt nicht innerhalb der eigenen Erwartungen. Zu den beiden Grossanlässen, die im Jahr 2025 in Basel stattfanden, weist Bosshard darauf hin, dass der ESC an Carlsberg/Feldschlösschen verkauft worden ist und die Frauenfussball-EM an Heineken.
Den Trend, weniger Bier zu trinken, spüre man bei Unser Bier, und auch einen Trend hin zum alkoholfreien Bier. «Die Jungen trinken meist nur noch Getränke ohne Alkohol und somit wird der eigentliche Bierumsatz weniger», stellt Luzius Bosshard fest. Zur Zukunft des Geschäfts meint er: «Dem Biergeschäft geht es nicht sehr gut. Bei uns in Basel ist natürlich die Grenze zu Deutschland und Frankreich sehr nah und das Bier in diesen Ländern kostet ein Bruchteil. Durch die Erhöhung der Krankenkassen-Kosten et cetera wird der Franken mehrmals umgedreht.»
Von den Grossanlässen habe der ESC geholfen, erklärt Brauerin Claudia Di Feliciantonio von der Blauen Ente in Münchenstein. Das, weil ihre Brauerei das passende Bier im Sortiment hatte, das Love is Love»; «wahnsinnige Umsätze gab es jedoch nicht». Produktion und Absatz hinken den eigenen Erwartungen bisher noch etwas hinterher, sagt die Brauerin.
Dass weniger Bier getrunken wird, spüre sie vor allem im Januar beim Dryjanuary, «ansonsten geht es». Alkoholfreie Biere gibt es bisher nicht bei der Blauen Ente, und diese seien mindestens noch in diesem Jahr nicht geplant.
Zu den Aussichten des Biergeschäfts weist Claudia Di Feliciantonio darauf hin, «dass gerade Basel sehr viele Mikrobrauereien hat, was den Markt natürlich nicht einfach macht.» Das Hauptproblem seien aber nicht mal die vielen Mitbewerber, sondern eher die Grossen wie Feldschlösschen, welche das Monopol an sehr vielen Events hätten.
Dieses Jahr laufe es gut, erzählt Ivo Rutz von Hardlabor Brew. Grossanlässe hatten keinen Einfluss für den Absatz. Im zum Johann Taproom verzeichnete er wegen des ESC eine Umsatzeinbusse von 90 Prozent. Produktion und Absatz liegen innerhalb seiner Erwartungen, und dass weniger Bier getrunken werde, beobachtet er schon auch. Aber auf sein Unternehmen wirke sich das nicht aus. «Ich bin ja noch in der Aufbauphase und generiere immer mehr Absatz.»
Basel sei ein sehr schwieriger Markt, stellt Ivo Rutz noch fest. Die grossen Brauereien wie Feldschlösschen, Appenzeller et cetera seien gut vertreten und die Gastronomen nicht sehr offen für Neues.
Vor allem die sommerlichen Temperaturen sind für uns förderlich, sagt Dominik Neff von Landskroner Bräu. Im Vergleich zum Vorjahr werde mehr Bier getrunken aufgrund des besseren Wetters, wobei es gelegentlich auch zu warm sei für den grossen Bierkonsum. Von den Grossveranstaltungen habe man nicht gross profitiert. Landskroner Bräu konnte den Absatz leicht steigern, was in den Erwartungen liege.
«Die Tendenz, dass weniger Bier getrunken wird, merken wir auch», erklärt Dominik Neff. Seit längerem habe Landskroner ein alkoholfreies Bier im Sortiment. «Wir sind an Weiterentwicklungen, denn dieses Segment nimmt merklich zu», sagt Neff.
«Durch den abnehmenden Alkoholkonsum, Preisdruck et cetera ist die Zukunft sicher nicht rosig. Es gibt Herausforderungen an verschiedenen Fronten, trotzdem sind wir zuversichtlich, dass man mit Innovation, Qualität und Zuverlässigkeit in Zukunft bestehen kann», blickt Dominik Neff in die Zukunft.
«Unser Geschäftsjahr als Restaurant verläuft bisher sehr erfreulich», meldet Jarin Huber von Matt&Elly, dem Restaurant mit der hauseigenen Kleinbrauerei. «Der Juli war seit unserer Eröffnung sogar der Beste, den wir je hatten. Wir führen dies durchaus auf die Women’s Euro und davor auch auf den ESC zurück und die Tatsache, dass durch diese Events einfach mehr Menschen in der Stadt waren», erläutert er weiter.
Bisher liegt die Produktion beim Bier im Schnitt der letzten Jahre, stellt Huber fest. «Die Special Edition „Amazons“ Hazy Pale Ale, welche wir zum ESC und der EM lanciert haben, hat sich grosser Beliebtheit erfreut und verkaufte sich wesentlich schneller als unsere bisherigen Dosenabfüllungen», sagt Jarin Huber.
Ob generell weniger Bier getrunken wird? «Für uns schwer zu sagen. Wir verkaufen seit 2023 sicher weniger Bier als noch davor. Wir führen das aber auch darauf zurück, dass wir uns mit dem Restaurant noch mehr auf das Fine Dining fokussiert haben und diese Zielgruppe zum Essen gerne auch mal Wein oder anderes trinkt.»
Zurückhaltend äussert sich der Geschäftsführer zum Thema «Alkoholfrei». «Wir haben schon vor zwei Jahren unser Angebot bei alkoholfreien Bieren im Restaurant vergrössert. Insgesamt auf den Liter gerechnet pro Jahr lohnt es sich für uns aber weiterhin nicht, ein eigenes Alkoholfreies zu brauen.»
«Für die kleinen „Craft“-Brauereien sehe ich die Zukunftschancen nicht gut. Der Gesamtanteil dieser Art Brauereien ist derart klein und es gibt weiterhin doch recht viele davon…», sagt Jarin Huber zu den Aussichten. Die Konkurrenz sei einfach zu gross, und der Skaleneffekt sei quasi nicht vorhanden. «Wir haben ja gesehen wie viele doch auch halbwegs etablierte kleine Brauereien in den letzten Jahren geschlossen haben im Nachgang von Covid. Diese Bereinigung ist wohl noch nicht abgeschlossen.»
Für Matt&Elly als „Gasthausbrauerei“ stelle sich die Situation aber anders dar. «Die Gastronomie ist ohnehin eine Branche mit kaum vorhandenen Margen. Daher ändert sich für uns nicht viel und wir sind nach wie vor positiv gestimmt, was die Entwicklung von Matt & Elly angeht.»
Die Grossanlässe haben im oberen Baselbiet keine grossen Spuren hinterlassen, melden Daniel Rüedi und Reto Lack von Föifliberbier in Ziefen. «Jedenfalls was unsere Brauerei betrifft. Wir hatten im Nachbardorf das Jodlerfest, durften aber wegen Sponsoringverträgen unser Bier nicht anbieten. Darum läuft unser Geschäft eigentlich in gewohnten Bahnen. Wir konzentrieren uns auf unsere üblichen Anlässe. Männermarkt in Hölstein, Bierfestival Liestal und diverse Anlässe in Ziefen.»
Produktion und Absatz liegen innerhalb der Erwartungen, «wie immer ist die Nachfrage grösser als unser Angebot». Dass weniger Bier getrunken wird – diesen Trend spürt man in Ziefen nicht. Was das alkoholfreie Bier angeht, finden Rüedi und Lack: «Man muss nicht bei jedem Trend mitmachen. Wir haben kein alkoholfreies Bier im Sortiment.
Und was die Zukunftsaussichten betrifft: «In unserer kleinen Welt, im Föiflibertal, ist die Bierwelt noch in Ordnung. Um unsere Zukunft machen wir uns keine Sorgen. Wie schon erwähnt, könnten wir viel mehr Bier absetzen als wir produzieren können.»