, Markus Vogt

Mit Bier aus dem Keller geht im Midtown Pub die Post ab

Die Brewfactory und das Midtown Pub beleben Läufelfingen: Vor über zwei Dutzend Jahren haben sich in Läufelfingen einige Bierliebhaber zum Verein Hau-Rein Komitee zusammengeschlossen. Aus dem ehemaligen «Pöschtli» haben sie das Midtown Pub gemacht – und dort schenken sie einmal im Monat die Biere aus, die Jochen Mühlbauer in seiner Brewfactory herstellt. Der nächste Event ist das Irish Festival, und nächstes Jahr haben sie Grosses vor.

Der Name Brewfactory könnte einen verleiten, an etwas Grosses zu denken, auch an eine Fabrik, oder an Massenware. Weit gefehlt – bei der Brewfactory in Läufelfingen geht es um Kleines und Feines, jedenfalls immer in kleinen Mengen. Um eine Liebhaberei und darum, für das Dorf und die Dorfkultur etwas zu bieten. Das Bierbrauen wird zwar mit ganz grossem Ernst betrieben, mit viel Liebe und Hingabe zum Detail, doch mehr als ein Hobby soll es nicht sein.

So sieht es Jochen Mühlbauer, beruflich im Bereich der Energie- und Gebäudetechnik tätig und seit vielen Jahren begeisterter Bierbrauer. In seinen Kellerräumen betreibt er auf wenigen Quadratmetern eine Mini-Brauerei. Das nötige Wissen dazu holte er sich aus Büchern und auch aus dem Internet. Er arbeitete sich als Autodidakt in diese Materie ein und produziert (hauptsächlich) Biere, wie man sie in Grossbritannien und Irland kennt.

Jochen Mühlbauer, schon immer Bierliebhaber, lernte während einer Irlandreise «ganz andere Biere» kennen, und bald wollte er sein eigenes Bier herstellen. Er besorgte sich ein Starter-Kit und probierte es selbst. Er begann mit einer Kochplatte, einem Topf, einem Rührwerk, einem PID-Regler (um beim Brauvorgang die Temperatur konstant halten zu können). «Da tat sich mir eine neue Welt auf», blickt er zurück. Bei den ersten Versuchen braute er jeweils etwa 20 Liter. Sein Bier: Mehr als nur trinkbar, wie auch sein Freundeskreis feststellte.  

 

Das eigene Pub im Dorf

Im Jahr 2014 kaufte er sich einen 50-Liter-Braukessel der Marke Speidel «mit allem Drum und Dran», er verfügte nun über eine kompakte Brauanlage mit Steuerung. Seit kurzem steht ein 80-Liter-Kessel (Brewtools) in seinem Keller, und nun kann er damit pro Braudurchgang etwa 70 Liter Bier brauen. Diese füllt er in aller Regel in gängige 20-Liter-Kegs ab (Metall-Behälter), oder bei Nachfrage in 5-Liter-Party-Fässlein. Nicht aber in Flaschen, denn er will das Bier nicht serienmässig in den Verkauf bringen. 

Unter die Leute kommt das Bier der Brewfactory im Prinzip durch seinen Freundeskreis, Kollegen, die sich seit Jahren kennen und viel Freizeit miteinander verbracht haben. Das ist die zweite Biergeschichte von Läufelfingen. Als das «Pöschtli» als Restaurant aufgegeben wurde und danach längere Zeit leer stand, bekundeten sie beim Hausbesitzer ihr Interesse und konnten übernehmen. Das Lokal befand sich in schlechtem Zustand, sie mussten es in Fronarbeit neu herrichten und schufen einen Ort, an dem man sich hie und da treffen kann. Für den Betrieb gründeten sie einen Verein. Das war 2009.

 

Spezialitäten von der Insel

Andreas Rentsch fungiert als Vereinspräsident und erzählt, dass der Verein aus acht Personen besteht, alles Freunde im Alter von um die fünfzig Jahre, inklusive Jochen Mühlbauer, aus dessen Keller das Bier stammt. Etwa einmal im Monat, an einem Freitag, wird das Lokal, dem sie den Namen «Midtown Pub» gegeben haben, weil es ziemlich in der Mitte des Dorfes liegt und weil die angebotenen Getränke dem Bierangebot der britischen Inseln ziemlich nahe kommen, für die Öffentlichkeit zugänglich. 

Meist ist es einfach eine «Pub-Night». Gezapft werden ein schweizerisches Lagerbier 
und Guinness Stout sowie zusätzlich Biere aus Jochen Mühlbauers Brewfactory. Da kommen dann schon mal Spezialitäten «von der Insel», gebraut in Läufelfingen, an den Zapfhahnen. So hat er beispielsweise ein «Elderflower Ale» gebraut (mit Holunderblüten), obergärige englische Biere oder irisches Red Ale et cetera. Wenn es im Herbst um eine Haxen-Night geht, kommen allenfalls sogar deutsche Biere auf die Karte. Und immer wieder wird das Angebot mit besonderen Flaschen- und Dosenbieren «von der Insel» bereichert. 

 

Live-Musik und Openair

Der nächste Event nennt sich Irish Festival und steigt gleich an zwei Tagen (22. und 23. November 2024). Am Freitag gibt es Live Muusig mit «Brüder Fërns» (Oldies, Pop, Rock, Soul), am Samstag Folk’n Roll mit «The Green Goblins», ebenfalls live.

Die dritte Biergeschichte folgt erst nächstes Jahr: Die Läufelfinger planen ein zweitägiges Open-air, ein Rock n’ Beer Festival, eine Kombination von Musik und Bier. Das Rock n’Beer Festival wird am 6./7. Juni 2025 stattfinden, etwas ausserhalb des Dorfes beim Steinbruch, wo sich das Silo 12 befindet, das Museum für Industriegeschichte Läufelfingens. 

www.hau-rein.ch