Beer and Birth Talk: «Ein ehrlicher Abend»
Diese Hebamme ist Angi Wirz, 34 Jahre jung, wohnhaft in Gelterkinden im oberen Baselbiet. Doch nicht nur das Angebot ist aussergewöhnlich, auch der Ort, an dem die fünfmal jährlich durchgeführten Kurse stattfinden: in der Bierfabrik am Fabrikweg 1 in Gelterkinden, wo ein engagiertes Team 200 Biere aus der Region, aus der Schweiz und aus aller Welt anbietet. Angi Wirz ist nicht nur Mitglied des achtköpfigen Teams, sie ist auch eine zweifach diplomierte Biersommelière. Sie hat sowohl den achttägigen Kurs bei der Gastro-Suisse absolviert wie auch den zweiwöchigen von Doemens. «Bier hat mich schon immer fasziniert», erzählt sie vor der Bierfabrik. In ihrem Keller stehen zwei 20-Liter-Braumeister von Seidel, auf denen sie hin und wieder ein Craftbier braut. «Das hat aber im Moment nicht Priorität», fügt sie an.
Gespräche in einer «bierigen Wohlfühloase»
Priorität hat, dass sie als freischaffende Hebamme werdende Mütter vor und nach der Geburt betreuen kann. Dabei hat sie immer auch Paare in Vorbereitungskursen gehabt, dabei aber die Erfahrung gemacht, dass die Männer nicht immer voll motiviert dabei waren. Vor allem dann nicht, wenn die Fragen der Frauen dominierten und sie Hemmungen hatten, ihre Anliegen in der Gruppe zur Sprache zu bringen. Oder gar, was halt auch vorgekommen sei, von ihren Frauen gebeten wurden, keine Sprüche zu klopfen. So kam sie auf die Idee, Kurse ausschliesslich Männern anzubieten, und das nicht in einem für sie eher ungewohnten Rahmen einer Hebammenpraxis, sondern inmitten einer «bierigen Wohlfühloase». Dabei betont sie, dass es ihr als Mitarbeiterin im Gesundheitswesen ein wichtiges Anliegen ist, kein Besäufnis zu veranstalten. «Ich biete den Männern einen Raum, in dem sie darüber reden können, was sie beschäftigt». Dass die sechs verkosteten Biere dabei helfen, die Zungen zu lösen, ist ein willkommener Nebeneffekt. Und welche Themen kommen da zur Sprache? Angi Wirz: «Was kann ihre Rolle bei der Geburt sein, wie sie sich psychisch und mental darauf vorbereiten können, ihnen zu helfen, ihre Rolle als Vater finden, darüber reden, wie sie nach der Geburt ihre Frau schonen und unterstützen sollen – also alles sehr ernste Themen.» Sie empfiehlt den Kursbesuchern auch, mit ihren Frauen die Erwartungen abzugleichen, sich darüber auszutauschen, wie sie sich die Zeit nach der Geburt vorstellen.
«Alles in allem ein ehrlicher Abend»
Bis anhin hat Angi Wirz acht Kurse durchgeführt. Ihre Erfahrung ist, dass die werdenden Väter ihren eigenen Hintergrund mitbringen. «Jeder versucht sich mit seiner eigenen Geschichte einzubringen. Auch bei schwierigen Themen wie unerfüllter Kinderwunsch oder Verlust eines Kindes ist das Interesse am Austausch vorhanden, es wird nicht einfach geschwiegen. Die Männer gehen sehr emphatisch miteinander um.»
Einer der Väter, die dabei waren, ist der 40-jährige Bauleiter Yves Bruggisser. «Es war toll», erinnert er sich an den Kurs, den er im Oktober 2023 besuchte. «Wir haben uns getraut, alles zu fragen. Es war voll offen. Wir haben alles über die Geburt erfahren, über die vielen Arten zu gebären. Alles in allem war es ein sehr ehrlicher Abend.» Beim «Beer and Birth Talk» seien auch schon Freundschaften entstanden. «Drei Männer, die an einem Kurs waren, kommen immer wieder in die Bierfabrik auf ein Bier.»
Der nächste Beer and Birth Talk findet am 7. November von 18 bis 22 Uhr statt. Nebst den sechs Bieren gibt es reichhaltige Snacks, Käse und Aufschnitt von lokalen Anbietern. Zusammen mit dem Dessert habe man zu Nacht gegessen, meint Angi Wirz. Obwohl sie schon Anfragen hatte, ihren Kurs in einer auswärtigen Brauerei durchzuführen, hat sie abgesagt, denn die Bierfabrik ist Teil ihres Konzeptes. Aber Kursteilnehmer aus anderen Kantonen sind willkommen, sofern sie nicht selber ihren Wagen lenken.
Mehr dazu: www.beerandbirthtalk.ch